Kontoführungsgebühren sparen: Wann sich ein Kontowechsel lohnt

23.10.2026 · BESSERWÄRTS Redaktion

Symbolbild zum Thema Kontoführungsgebühren sparen: Mann sitzt am Esstisch und schaut mit einer Karte in der Hand gelassen auf sein Smartphone

Bild: KI-generiert

Beim Girokonto schauen die meisten auf den monatlichen Grundpreis. Was das Konto im Jahr wirklich kostet, steht dagegen selten an einer Stelle: Karten, Überweisungen auf Papier, Bargeld an fremden Automaten oder ein genutzter Dispo kommen oft noch dazu. Wer Kontoführungsgebühren sparen will, braucht deshalb zuerst eine ehrliche Jahreszahl.

In diesem Artikel rechnest du in vier Schritten aus, was dein Konto kostet. Danach prüfst du, ob ein anderes Kontomodell bei deiner Bank reicht oder ob sich ein Wechsel zu einer anderen Bank lohnt, und wie der Wechsel mit der gesetzlichen Kontowechselhilfe abläuft. Die Hinweise gelten für Girokonten in Deutschland, Stand: Oktober 2026. In Österreich und der Schweiz gelten andere Regeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechne alle Posten auf ein Jahr hoch: Grundpreis, Karten, Buchungen und Bargeld. Erst die Jahreskosten zeigen, ob dein Konto günstig ist.
  • Deine Bank muss dir mindestens einmal im Jahr eine kostenlose Entgeltaufstellung zur Verfügung stellen. Sie ist eine gute Grundlage für deine Rechnung.
  • Prüfe zuerst, ob ein anderes Kontomodell bei deiner bisherigen Bank besser zu deiner Nutzung passt.
  • „Kostenlos“ hängt oft an Bedingungen, zum Beispiel an einem regelmäßigen Geldeingang in Mindesthöhe.
  • Beim Wechsel hilft dir die gesetzliche Kontowechselhilfe. Schließe das alte Konto erst, wenn alle Zahlungen sicher umgestellt sind.

Was dein Girokonto wirklich kostet

Ein Girokonto kostet selten nur den Grundpreis. Je nach Kontomodell kommen weitere Entgelte hinzu, die du im Alltag kaum bemerkst, weil sie einzeln klein sind. Erst zusammengerechnet zeigt sich, ob dein Konto günstig ist oder nicht.

Diese Posten gehören zu den Kontokosten

Die folgende Übersicht zeigt, welche Posten typischerweise anfallen können und wo du sie findest. Nicht jedes Konto hat jeden Posten, und die Bezeichnungen unterscheiden sich von Bank zu Bank.

PostenWas dahinterstecktWo du ihn findest
Grundpreismonatlicher oder vierteljährlicher Preis für die KontoführungPreis- und Leistungsverzeichnis, Entgeltaufstellung
Debitkarte (z. B. Girocard)Jahrespreis, wenn die Karte nicht im Grundpreis enthalten istPreisverzeichnis, Kontoauszug
KreditkarteJahrespreis, falls du eine zum Konto hastPreisverzeichnis, Kreditkartenabrechnung
BuchungenEntgelte je Überweisung, vor allem für beleghafte Überweisungen auf PapierEntgeltaufstellung
BargeldEntgelte für Abhebungen an fremden Automaten oder ab einer bestimmten ZahlKontoauszug, Entgeltaufstellung
Sonderleistungenzum Beispiel Kontoauszüge per Post, ErsatzkartenPreisverzeichnis, Entgeltaufstellung
DispozinsenZinsen für die Überziehung des Kontos, keine Gebühr im engeren SinnEntgeltaufstellung, Kontoabschluss

Wo die Gebühren stehen: Entgeltinformation und Entgeltaufstellung

Das Zahlungskontengesetz (ZKG) gibt dir zwei hilfreiche Dokumente an die Hand. Vor dem Abschluss eines Kontovertrags muss die Bank dir eine kostenlose Entgeltinformation nach § 5 ZKG mitteilen. Sie zeigt die Preise der wichtigsten Kontodienste auf einen Blick und ist praktisch, wenn du Angebote vergleichst.

Für dein bestehendes Konto ist die Entgeltaufstellung wichtiger. Nach § 10 ZKG muss die Bank dir mindestens jährlich und bei Vertragsende kostenlos aufstellen, welche Entgelte für dein Konto angefallen sind. Soweit zutreffend, gehören auch der Sollzinssatz für Überziehungen und der Zinssatz für Guthaben dazu. Viele Banken stellen sie ins Online-Banking-Postfach.

In vier Schritten zu deinen Jahreskosten

Für die Rechnung brauchst du etwa eine halbe Stunde und deine Unterlagen der letzten zwölf Monate. Du musst nichts schätzen, was auf dem Papier steht.

Schritt 1: Entgeltaufstellung und Preisverzeichnis bereitlegen

Such die letzte Entgeltaufstellung heraus. Findest du sie nicht, frag bei deiner Bank danach. Leg dazu das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis deines Kontomodells. Daraus siehst du, was künftig gilt, falls sich Preise seit der letzten Aufstellung geändert haben.

Schritt 2: deine Nutzung der letzten zwölf Monate notieren

Notiere, wie du das Konto tatsächlich nutzt: Wie viele Überweisungen machst du auf Papier statt online? Wie oft hebst du an fremden Automaten Geld ab? Welche Karten hast du, und nutzt du sie alle? Diese Angaben brauchst du später auch, um ein anderes Konto sinnvoll zu vergleichen.

Schritt 3: alles zu einem Jahresbetrag zusammenrechnen

Rechne jeden Posten auf ein Jahr hoch und zähle alles zusammen. Ein Beispiel mit frei gewählten Modellwerten zeigt, wie das aussieht. Die Beträge sind keine realen Preise einer Bank und sagen nichts darüber, was dein Konto kostet.

Posten (Modellwerte)RechnungPro Jahr
Grundpreis6,90 € × 12 Monate82,80 €
DebitkarteJahrespreis12,00 €
KreditkarteJahrespreis39,00 €
Beleghafte Überweisungen10 × 1,50 €15,00 €
Abhebungen an fremden Automaten6 × 4,00 €24,00 €
Jahreskosten ohne Dispozinsen172,80 €

Im Beispiel kostet das Konto nicht 6,90 € im Monat, sondern 172,80 € im Jahr. Das sind umgerechnet 14,40 € im Monat, also gut doppelt so viel wie der Grundpreis. Den Kontoposten kannst du gleich in deine Übersicht aller laufenden Ausgaben übernehmen. Wie du die aufbaust, zeigt unser Beitrag Fixkosten senken.

Eine genaue Jahreszahl hilft, auch bei anderen kleinen Ausgaben bewusster zu entscheiden. Die 30-Tage-Spar-Challenge setzt hier an: 30 Tage. 30 kleine Schritte. Mehr aus deinem Geld machen.

Schritt 4: Dispozinsen getrennt ansehen

Dispozinsen fallen nur an, wenn du dein Konto überziehst. Sie hängen davon ab, wie hoch und wie lange du im Minus bist, und gehören deshalb nicht in die Grundrechnung. Sieh sie dir trotzdem gesondert an, denn sie können die Kontokosten deutlich erhöhen.

Ein vereinfachtes Beispiel mit einem frei angenommenen Zinssatz: Wer 500 € für 90 Tage zu 12 % im Jahr überzieht, zahlt rechnerisch 500 € × 12 % × 90 / 365 = 14,79 € Zinsen. Banken rechnen im Detail unterschiedlich, und dein tatsächlicher Zinssatz steht in deinen Kontounterlagen. Nutzt du den Dispo regelmäßig, ist das weniger eine Frage der Kontogebühren als deines Budgets. Hilfe zur Aufteilung deines Einkommens findest du in unserem Beitrag zur 50-30-20-Regel.

Kontoführungsgebühren sparen: erst das Modell, dann die Bank

Wenn deine Jahreskosten höher sind als gedacht, musst du nicht sofort die Bank wechseln. Oft bieten Banken mehrere Kontomodelle an, die sich in Grundpreis und Leistungsumfang unterscheiden. Ein Wechsel innerhalb derselben Bank ist meist mit wenig Aufwand verbunden, weil Kontonummer, Lastschriften und Daueraufträge in der Regel bleiben. Frag bei deiner Bank nach, ob das bei deinem Modell so ist.

Ein anderes Kontomodell bei deiner Bank

Vergleiche die Modelle deiner Bank mit deiner tatsächlichen Nutzung aus Schritt 2. Erledigst du fast alles online, kann ein Online-Modell passen, in dem beleglose Überweisungen inklusive sind. Im Beispiel ist ein Modell mit 3,50 € im Monat angenommen, in dem Debitkarte und Online-Überweisungen enthalten sind:

  • Grundpreis: 3,50 € × 12 = 42,00 €
  • Kreditkarte unverändert: 39,00 €
  • Abhebungen an fremden Automaten unverändert: 24,00 €
  • Jahreskosten: 105,00 €, also 67,80 € weniger als vorher

Die Voraussetzung im Beispiel: Die zehn Überweisungen werden künftig online erledigt. Auch hier sind alle Werte frei gewählt. Ob ein Modellwechsel bei dir etwas bringt, zeigt nur der Vergleich mit dem Preisverzeichnis deiner Bank.

Wann sich ein Kontowechsel lohnt

Ob du bleibst, das Modell änderst oder die Bank wechselst, hängt nicht nur vom Preis ab. Die folgende Übersicht hilft dir bei der Einordnung.

Deine LageNaheliegender Schritt
Die Jahreskosten sind niedrig, und das Konto passt zu deiner Nutzung.Bleiben und die Kosten einmal im Jahr mit der Entgeltaufstellung prüfen
Du zahlst für Leistungen, die du kaum nutzt, oder für Papierbuchungen, die du auch online erledigen könntest.Kontomodell bei deiner Bank wechseln
Auch das günstigste passende Modell deiner Bank ist deutlich teurer als vergleichbare Angebote.Bankwechsel prüfen
Dir sind Filiale, Bargeld in der Nähe oder persönliche Beratung wichtig, und das kostet etwas mehr.Bewusst bleiben ist eine vollwertige Entscheidung

Ein Bankwechsel kostet Zeit: Du eröffnest ein neues Konto, stellst Zahlungen um und gewöhnst dich an neue Abläufe. Je größer der Unterschied in den Jahreskosten und je besser das neue Konto zu deiner Nutzung passt, desto eher lohnt sich dieser Aufwand. Eine feste Grenze, ab der sich ein Wechsel für jeden lohnt, gibt es nicht.

Variante (Modellwerte)JahreskostenUnterschied zum bisherigen Konto
Bisheriges Konto172,80 €-
Anderes Modell bei derselben Bank105,00 €67,80 € weniger
Neues Konto, Bedingung für „kostenlos“ erfüllt0,00 €172,80 € weniger
Neues Konto, Bedingung nicht erfüllt (4,90 € im Monat)58,80 €114,00 € weniger

Für das neue Konto ist im Beispiel angenommen, dass beide Karten, auch die Kreditkarte, und deine Bargeldabhebungen ohne Entgelt möglich sind. Das ist eine Annahme für die Rechnung, keine Aussage über ein bestimmtes Angebot. Prüfe genau diese Punkte bei jedem Konto, das für dich in Frage kommt.

„Kostenloses Girokonto“: worauf du achten solltest

Ein Konto ohne Grundpreis ist nicht automatisch ohne Kosten. Laut dem Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest (Stand: August 2026) waren von mehr als 750 untersuchten Kontomodellen nur zwölf ohne Bedingungen kostenlos, wenn das Konto online geführt wird. Bei weiteren 20 hing das an Bedingungen, meist an einem regelmäßigen Geldeingang in Mindesthöhe. Achte bei „kostenlosen“ Angeboten deshalb auf diese Punkte:

  • Bedingungen: Gilt „kostenlos“ nur bei einem bestimmten monatlichen Geldeingang, nur für ein bestimmtes Alter oder nur für eine begrenzte Zeit? Was kostet das Konto, wenn die Bedingung einmal nicht erfüllt ist?
  • Karten: Ist die Karte, die du brauchst, im Preis enthalten, oder kostet sie extra?
  • Bargeld: Wo bekommst du ohne Entgelt Bargeld, und gibt es solche Automaten oder Kassen in deiner Nähe?
  • Dispozins: Wie hoch ist der Zinssatz, falls du doch einmal überziehst?
  • Service: Passt die Art der Betreuung zu dir, etwa nur App und Online-Banking oder auch eine Filiale?

Girokonten neutral vergleichen

Für einen Überblick über den Markt gibt es seit Januar 2025 den BaFin-Kontenvergleich. Die Finanzaufsicht betreibt ihn als entgeltfreie Vergleichswebsite nach § 16 ZKG. Die Angaben melden die Banken selbst, und die BaFin spricht keine Empfehlungen aus. Laut Bundesfinanzministerium zeigt er die Kosten und Leistungen der Girokonten für Privatpersonen in Deutschland. Wichtig: Dass ein Konto dort aufgeführt ist, ist laut Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums kein Gütesiegel der BaFin, sondern gesetzlich vorgegeben.

Eine weitere Orientierung bietet der regelmäßig aktualisierte Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest; die vollständigen Ergebnisse sind dort kostenpflichtig. Viele private Vergleichsportale finanzieren sich über Provisionen der Banken. Das muss kein Nachteil sein, du solltest es beim Lesen der Rangfolgen aber im Hinterkopf behalten. Vergleiche in jedem Fall mit deinen eigenen Nutzungswerten aus Schritt 2, nicht mit einem Durchschnittskunden.

Bei den Bankkosten anzufangen, ist ein guter Schritt. Wenn du darüber hinaus schauen möchtest, wo im Alltag noch Geld liegen bleibt, soll dich unsere 30-Tage-Spar-Challenge mit kleinen Schritten dabei begleiten.

So wechselst du dein Girokonto mit der Kontowechselhilfe

Ein Bankwechsel wirkt aufwendig, weil Lastschriften, Daueraufträge und der Gehaltseingang umgestellt werden müssen. Dabei hilft die gesetzliche Kontowechselhilfe. Sie ist im Zahlungskontengesetz geregelt und gilt, wenn beide Banken in Deutschland ansässig sind und beide Konten in derselben Währung geführt werden.

Was die Kontowechselhilfe umfasst

Nach § 20 ZKG müssen beide Banken dir auf Wunsch beim Wechsel helfen. Dafür erteilst du der neuen Bank eine Ermächtigung. Sie braucht nach § 21 ZKG grundsätzlich die Schriftform, kann aber auch im Online-Banking erteilt werden. Darin legst du fest, welche Daueraufträge, Lastschriften und eingehenden Überweisungen umgestellt werden, ab wann das alte Konto keine Zahlungen mehr annimmt, ob ein Guthaben übertragen und ob das alte Konto geschlossen wird. Hat das Konto mehrere Inhaber, etwa beim Gemeinschaftskonto, muss jeder Inhaber die Ermächtigung erteilen.

Ablauf und Fristen

Das Gesetz gibt den Banken für die einzelnen Schritte feste Fristen vor. Geschäftstage sind dabei die Tage, an denen die Banken für Zahlungen geöffnet haben, in der Regel Montag bis Freitag ohne Feiertage.

WerWasFrist
Neue Bankfordert die alte Bank auf, die vereinbarten Schritte auszuführen (§ 22 ZKG)innerhalb von 2 Geschäftstagen nach Erhalt deiner Ermächtigung
Alte Bankschickt der neuen Bank und dir eine Liste der Daueraufträge, die Informationen zu Lastschriftmandaten sowie zu eingehenden Überweisungen und Lastschriften der letzten 13 Monate (§ 23 ZKG)innerhalb von 5 Geschäftstagen nach der Aufforderung
Neue Bankrichtet die Daueraufträge ein, bereitet die Annahme der Lastschriften vor und informiert die Zahlungspartner, die du ausgewählt hast (§ 24 ZKG)innerhalb von 5 Geschäftstagen nach Erhalt der Listen
Alte Bankstellt zum vereinbarten Datum Daueraufträge ein, nimmt keine Zahlungen mehr an, überweist ein Guthaben und schließt das Konto, wenn du das so festgelegt hastzum Datum aus deiner Ermächtigung

Liegt das gewünschte Startdatum für Daueraufträge und Lastschriften auf dem neuen Konto weniger als sechs Geschäftstage nach Eingang der Listen bei der neuen Bank, gilt nach § 24 Abs. 3 ZKG der sechste Geschäftstag. Statt dass die neue Bank deine Zahlungspartner selbst informiert, kannst du auch Musterschreiben verlangen und sie selbst verschicken. Die alte Bank darf deine Karten und andere Zahlungsmittel nach § 23 Abs. 2 ZKG grundsätzlich nicht vor dem vereinbarten Datum sperren. Ausnahmen gelten etwa bei Verdacht auf Missbrauch.

Zu den Kosten: Nach § 26 ZKG sind die Übersendung der Listen, dein Zugang zu den Daten über Daueraufträge und Lastschriften und die Schließung des alten Kontos entgeltfrei. Für andere Leistungen der Kontowechselhilfe darf eine Bank nur ein Entgelt verlangen, wenn es mit dir vereinbart ist. Es muss angemessen sein und sich an den tatsächlichen Kosten orientieren. Vertragsstrafen im Zusammenhang mit dem Wechsel sind unzulässig. Frag deshalb vorab bei beiden Banken nach, ob sie für die Kontowechselhilfe etwas berechnen.

Checkliste, bevor du das alte Konto schließt

Die Kontowechselhilfe nimmt dir viel Arbeit ab, aber nicht jede Prüfung. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Unterlagen kompliziert sein können und Fehler vorkommen. Lass das alte Konto deshalb eine Weile parallel laufen: Wähle das Datum für die Schließung in der Ermächtigung mit etwas Abstand, oder schließe das alte Konto später selbst. Geh vorher diese Punkte durch:

  • Gehalt, Rente oder andere regelmäßige Eingänge kommen auf dem neuen Konto an.
  • Alle Lastschriften laufen über das neue Konto, auch solche, die nur einmal im Jahr kommen, etwa Versicherungsbeiträge.
  • Daueraufträge wie Miete oder Sparraten sind auf dem neuen Konto eingerichtet und ausgeführt.
  • Hinterlegte Kontodaten bei Zahlungsdiensten, Onlinehändlern und Apps sind geändert. Die Kontowechselhilfe informiert nur die Zahlungspartner, die du in der Ermächtigung ausgewählt hast.
  • Ein Minus auf dem alten Konto ist ausgeglichen. Die Bank überträgt im Rahmen der Kontowechselhilfe nur ein Guthaben.

Die Liste der Lastschriften aus den letzten 13 Monaten ist außerdem eine gute Gelegenheit, alte Verträge zu entdecken, die du gar nicht mehr nutzt. Wie du solche Posten aufspürst und kündigst, zeigt unser Beitrag Vergessene Abos finden und kündigen.

Die Bank erhöht die Gebühren: Was gilt?

Früher galt bei vielen Banken eine Klausel, nach der Preisänderungen als angenommen galten, wenn Kunden nicht innerhalb einer Frist widersprachen. Der Bundesgerichtshof hat diese sogenannte Zustimmungsfiktion am 27. April 2021 in den Geschäftsbedingungen einer Bank für unwirksam erklärt (Az. XI ZR 26/20). Seitdem bitten viele Banken bei Preisänderungen um deine ausdrückliche Zustimmung. Stimmst du nicht zu, kann die Bank den Kontovertrag unter Umständen kündigen.

In späteren Urteilen vom 19. November 2024 (Az. XI ZR 139/23) und vom 3. Juni 2025 (Az. XI ZR 45/24) hat der BGH klargestellt: Entgelte, die eine Bank allein über eine solche Zustimmungsfiktion eingeführt oder erhöht hat, können auch dann zurückgefordert werden, wenn jemand sie jahrelang ohne Widerspruch gezahlt hat. Voraussetzung ist, dass du der Änderung nicht zugestimmt hast. Die Ansprüche verjähren aber in der regelmäßigen Frist von drei Jahren. Ein Anspruch entsteht nach dem BGH nicht schon mit der Abbuchung, sondern erst, wenn der Rechnungsabschluss als genehmigt gilt. Nach den üblichen Geschäftsbedingungen ist das der Fall, wenn du ihm nicht innerhalb von sechs Wochen widersprichst. Die Frist beginnt mit dem Ende dieses Jahres. Dafür genügt es nach dem BGH, dass die Bank über die Preisänderung informiert hat und die Entgelte in den Rechnungsabschlüssen ausgewiesen waren.

Was das heute bedeutet: Nach dieser Rechnung sind Ansprüche, deren Rechnungsabschluss spätestens 2022 als genehmigt galt, mit Ablauf des 31. Dezember 2025 verjährt, wenn sich die Bank darauf beruft. Ansprüche aus Rechnungsabschlüssen, die 2023 als genehmigt galten, verjähren Ende 2026. Dazu können auch Entgelte aus den letzten Wochen des Jahres 2022 gehören. Anders kann es sein, wenn die Verjährung rechtzeitig gehemmt wurde, etwa durch eine Klage oder die Anmeldung zu einer Musterfeststellungsklage. Diese Wirkung gilt laut Verbraucherzentrale nur für die Beteiligten. Hast du einer Erhöhung ausdrücklich zugestimmt, kannst du ab ihrer Geltung nichts mehr zurückverlangen. Bezieht sich deine Zustimmung auch auf frühere Entgelte, entfällt der Anspruch für diese; gilt sie nur für die Zukunft, bleiben frühere Ansprüche bestehen. Ob schon die weitere Nutzung des Kontos als Zustimmung zählt, hängt nach dem BGH vom Einzelfall ab. Ob bei dir noch etwas offen ist, lässt sich deshalb nur im Einzelfall klären. Die Verbraucherzentralen bieten dazu einen Musterbrief und weitere Hinweise an.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Wechsel schon bei wenigen Euro im Monat?
Das hängt davon ab, wie viel dir der Unterschied im Jahr bringt und wie viel Aufwand du hast. Rechne den Unterschied immer auf ein Jahr hoch und prüfe, ob das neue Konto zu deiner Nutzung passt. Ist der Unterschied klein und du bist sonst zufrieden, ist Bleiben eine gute Entscheidung.

Muss ich mein altes Konto selbst kündigen?
Nicht unbedingt. In der Ermächtigung zur Kontowechselhilfe kannst du festlegen, dass die alte Bank das Konto zu einem bestimmten Datum schließt. Die Schließung ist dabei nach § 26 ZKG entgeltfrei. Wechselst du ohne Kontowechselhilfe, kündigst du das Konto selbst bei deiner Bank.

Was ist beim Gemeinschaftskonto anders?
Bei einem Konto mit mehreren Inhabern müssen alle Inhaber die Ermächtigung zur Kontowechselhilfe erteilen (§ 20 Abs. 3 ZKG). Sprecht euch vorher ab, welche Zahlungen umgestellt werden und wann das alte Konto geschlossen werden soll.

Was ist ein Basiskonto?
Ein Basiskonto ist ein Girokonto mit grundlegenden Funktionen. Nach § 31 ZKG hat jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union Anspruch darauf, auch ohne festen Wohnsitz. Die Bank muss den Vertrag spätestens innerhalb von zehn Geschäftstagen nach dem Antrag anbieten. Hast du bereits ein nutzbares Girokonto bei einer Bank in Deutschland, darf die Bank den Antrag nach § 35 ZKG ablehnen. Ein Basiskonto ist deshalb kein Weg zu einem günstigeren Zweitkonto, sondern sichert den Zugang zu einem Konto. Seine Entgelte müssen nach § 41 ZKG angemessen sein.

Dein nächster Schritt

Kontoführungsgebühren sparen beginnt mit einer Zahl: Such heute deine letzte Entgeltaufstellung heraus, oder fordere sie bei deiner Bank an. Trag die Posten in eine kleine Tabelle wie im Beispiel ein und rechne deine Jahreskosten aus. Mit dieser Zahl entscheidest du in Ruhe, ob du bleibst, dein Kontomodell änderst oder wechselst. Wenn du dabei gleich alle laufenden Kosten mitprüfen möchtest, hilft dir unser Beitrag laufende Kosten prüfen.

Quellen

30 TAGE. 30 SPARIDEEN.

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